Die Parteihochschule der SED -

ein kritischer Rückblick

Inhaltsangaben

Fricke, Gerhard

Geschichte und Politik der KPdSU als Lehrfach an der Parteihochschule ‚Karl Marx’

Nach einem Überblick über die Anfangsjahre des Lehrstuhls und dessen spezielle Aufgaben bei der Ausbildung von leitenden Funktionären der SED beschreibt dessen letzter Leiter die heftigen Auseinandersetzungen, die der XX. Parteitag der KPdSU auch an der PHS auslöste. In einem längeren Abschnitt wird verdeutlicht, wie der Gedankenreichtum Lenins bei der Inangriffnahme des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion über das aus Lehrbüchern bekannte hinaus auch für die Lösung der Gegenwartsaufgaben erschlossen wurde. Anschaulich schildert der Autor, wie im Unterricht wie auch im Parteilehrjahr stets die riesigen Potenzen der UdSSR und deren Bedeutung für die Existenz und Entwicklung der DDR verdeutlicht, zugleich aber die Schwierigkeiten und Enttäuschungen, die sich aus der schleppenden Verwirklichung der Beschlüsse der KPdSU in den 60er bis 80er Jahren ergaben, nicht umgangen wurden. Abschließend wird die Politik Gorbatschows, die zur Preisgabe des Sozialismus führte, einer kritischen Analyse unterzogen und gezeigt, wie die Worte von „ewiger Freundschaft“ und „unverbrüchlichem Bruderbund“ jetzt tatsächlich zu Worthülsen wurden.


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Klotsch, Helmut

„... es kommt darauf an, sie zu verändern.“

Nach einer kurzen Übersicht über die Entwicklung des Lehrstuhls Philosophie in der erstem Jahren seiner Tätigkeit werden hauptsächlich zwei Problemkreise erörtert: Wie wurde das Verhältnis von Philosophie und Politik verstanden und welche unterschiedlichen Auffassungen gab es hierüber. Einen größeren Raum nimmt die Darstellung der in den 60er Jahren geführten Diskussion über das Problem der Subjekt-Objekt-Beziehungen und deren Platz in der marxistischen Philosophie ein. In diesem Zusammenhang wird auch die Gesetzesdiskussion jener Zeit gestreift. Skizzenhaft werden das Studium in Betrieben und die internationale Tätigkeit behandelt.


Opitz, Heinrich

Ein Wendepunkt  der philosophischen Lehrkonzeption in den 60er Jahren

Im Betrag wird eine für die philosophische Lehre an der Parteihochschule bedeutsame Episode geschildert. Nach dem XX. Parteitag der KPdSU und der dort geübten Kritik am Personenkult Stalins wurden zwar an der Parteihochschule seine Schriften aus den Literaturlisten gestrichen, aber eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit seinen dogmatischen Verzerrungen des marxistischen Gedankengefüges wurde von der Leitung der Hochschule  im Prinzip nicht betrieben. Das erfolgte in der Regel in den Lehrstühlen und bei den Philosophen um so mehr, je intensiver sich eine Gruppe junger Nachwuchswissenschaftler mit den Schriften Hegels und der Entstehungsgeschichte der marxistischen Philosophie befasste. Dabei wurde eine grundlegende Korrektur der bislang auf Stalins Schrift  „Über dialektischen und historischen Materialismus“ beruhenden Darstellung der marxistischen Philosophie erreicht. Das waren keine bloßen „Denkversuche“, denn fortan standen nicht mehr ein abstraktes Kategoriensystem und ein damit verbundener Kanon von Verhaltensregeln, sondern der Mensch mit seinen vielfältigen Beziehungen zur Welt, die gesellschaftlich Praxis, im Zentrum der philosophischen Lehre und Forschung.


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Steußloff, Hans

Das gab es auch:

Ein interessantes Forschungsprojekt mit bemerkenswerten Ergebnissen

informiert über ein von Lehrern und Studenten getragenes Forschungsprojekt der 80er Jahre zu weltanschaulichen Grundfragen der beschleunigten Einführung von Schlüsseltechnologien in der Industrie der DDR, das gestützt auf umfangreiche empirische Studien in zahlreichen Betrieben bzw. Kombinaten und Interviews mit leitenden Wirtschaftskadern, zu dem Ergebnis führte, das der zielstrebigen Förderung, Entfaltung und Befriedigung des Bedürfnisses nach realer persönlicher Freiheit größte Beachtung zu schenken sei. Ein der Hochschulleitung 1986 vorgelegter Forschungsbericht wurde jedoch zurückgewiesen.


Röhner, Eberhard

Erfahrungen eines Lehrstuhlleiters

Im Beitrag "Erfahrungen eines Lehrstuhlleiters" werden zwei Jahrzehnte Arbeit an der Parteihochschule geschildert, und zwar aus der Sicht eines Lehrers, der vorher über viele Jahre Erfahrungen bei der Ausbildung von Deutschlehrern sammeln konnte. Sein Lehrstuhl hatte die gleiche Aufgabe wie andere Lehrstühle auch, nämlich politische und theoretische Voraussetzungen für die künftige Tätigkeit der Studentinnen und Studenten im Parteiapparat, in staatlichen Organen und in den Massenorganisationen zu schaffen.

Der Lehrstuhl "Kulturpolitik der SED" unterschied sich aber von anderen nicht nur durch den spezifischen Inhalt seines Lehrprogramms, sondern auch durch die Methoden seiner Vermittlung. Der Frage, was Kunst ist und wie die Bündnispolitik mit den Künstlern im Sozialismus beschaffen sein muss, wurde - neben kulturtheoretischen und bildungspolitischen Fragen - im Lehrplan viel Raum gegeben. Das schloss viele Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts ein, die Begegnungen mit Kunstwerken und ihren Schöpfern brachten und die Studenten und Studentinnen anregen sollten, am kulturellen Leben Berlins teilzunehmen.

Der Beitrag schildert die Schwierigkeiten der Arbeit auf diesem Gebiet und dass dabei auch Fehlschläge weggesteckt werden mussten. Er zeigt aber auch, welchen Reiz diese Arbeit fur Lehrer und Studenten hatte und wie viele schöne Erlebnisse damit verbunden waren.

In lebendiger Darstellung gibt der Autor den Blick auf das innere Leben der Parteihochschule frei auf das Verhältnis zwischen Lehrern und Studenten, auf das Wirken der Rektoren und ihren Leitungsstil. Er führt seine Darstellung bis zum Ende des Sonderparteitages der SED im Dezember 1989.

   

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Wachowitz, Heinz , Möller, Uwe – unter Mitwirkung von Edgar Karsch und Eckbert Krappe

Wie wir den Kapitalismus einschätzten - und wie wir ihn heute sehen. Zur Arbeit des Lehrstuhls Politische Ökonomie des Kapitalismus

Es wird gezeigt, wie bei aller Richtigkeit unserer Einschätzung bestimmter Einzelheiten in der Entwicklung des Kapitalismus die Gesamtprozesse nicht richtig verstanden, die Lernfähigkeit des Kapitalismus und seine noch vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten sträflich unterschätzt wurden. Die Verfasser gehen von dem Standpunkt aus, dass der Kapitalismus noch immer dabei ist, die Welt zu ergreifen und nach seinem Bilde zu formen und – mit unter dem Einfluss der Oktoberrevolution und ihrer Folgen – dabei in eine neue Etappe eingetreten ist: die der kapitalistischen Globalisierung.

Die Verfasser bemühen sich, diese Etappe zu charakterisieren, ihre Zwiespältigkeit zu zeigen und besonders auf bestimmte soziale Folgen für die alten kapitalistischen Länder aufmerksam zu machen. Es wird außerdem versucht, Ansätzen sozialistischer Entwicklungen in der gegenwärtigen Welt nachzuspüren und auf mögliche Alternativen zu verweisen.

 

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Ebert, Georg

Die Arbeitsgruppe bzw. der Lehrstuhl Politische Ökonomie des Sozialismus an der Parteihochschule „Karl Marx” in den 60er und 70er Jahren

Die Arbeit des Lehrstuhls Politische Ökonomie des Sozialismus wurde auch im betrachtetem Zeitraum weitgehend durch die Forderung der Hochschulleitung bestimmt, in Lehre, Forschung und Publikation stets von einer engen Verbindung der Theorie mit der Wirtschaftspolitik der SED auszugehen. Daraus ergab sich für die Mitarbeiter des Lehrstuhls die Konsequenz, schnell und deutlich sichtbar auf die Parteibeschlüsse und innerparteiliche Auseinandersetzungen zu reagieren. Besonders klar wurde das im Zusammenhang mit der Ablösung Walter Ulbrichts als Erster Sekretär des ZK der SED und der faktischen Zurücknahme des Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung (NÖS) und des Buches „Politische Ökonomie des Sozialismus und ihre Anwendung in der DDR“ durch den VIII. Parteitag der SED (1971).

   

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Matho, Fred

Ware-Geld-Beziehungen und Wertgesetz im Sozialismus

Ein persönlicher Bericht

In dem Artikel wird ein Beitrag geleistet, die umstrittenen Ware-Geld-Beziehungen mit dem Wertgesetz unverfälscht in ihrer Bedeutung für den Sozialismus darzustellen, Licht und Schatten diesbezüglich zu analysieren und Ausblicke auf eine künftige sozialistische Marktwirtschaft zu geben.

Am Beispiel des Autors wird dabei zugleich gezeigt, wie Wissenschaftler der PHS durchaus schöpferische Arbeit leisten und sich in die Reihe führender Wissenschaftler einreihen konnten. Es gab das Phänomen, dass es sich an der PHS viel freier forschen als lehren ließ. Hier – wie in an deren Artikeln – wird deutlich, dass sich die PHS durchaus mit staatlichen Hochschulen im wissenschaftlichen Niveau zu messen vermochte. 

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Dippe, Achim; Hartmann, Karl

Zur Struktur und Arbeitsweise des Lehrstuhls Ökonomik der Industrie

Die Verfasser legen dar, welche Aufgaben dieser Lehrstuhl um Rahmen der Parteihochschule zu leisten hatte und welche Faktoren, Bedingungen, Prozesse und Umstände die Spezifik des Lehrstuhls mit seinen Aufgabenfeldern und Konzentrationspunkten in Lehre und Forschung maßgeblich geprägt haben. Es wird gezeigt, welche Fragen, Probleme und Konsequenzen aus der Kompliziertheit und Dynamik der materiell-technischen, ökonomischen und sozialen Struktur der Industrie erwuchsen und welche Lösungswege gefunden wurden.

Die Autoren widerspiegeln Erfolge und Probleme in der Entwicklung der Industrie der DDR und veranschaulichen, warum und wie die Befähigung der Studenten zur Beherrschung des marxistischen Wissens gepaart mit den Fähigkeiten zur Analyse sowie zur Lösung von anstehenden Aufgaben im Mittelpunkt der Lehrtätigkeit standen. Sie zeigen auch die sich daraus ergebenden Konsequenzen für neue Wege in der Lehr- und Studienarbeit, in der Verbindung von Theorie und Praxis.

Aus der gemeinsamen Sicht des Lehrstuhls und einer großen Zahl von erfahrenen Praktikern werden Ansatzpunkte entwickelt, wie der wissenschaftlich-technische Fortschritt hätte noch wirkungsvoller beschleunigt werden können. Die Verfasser machen darauf aufmerksam, dass sie eine Reihe wesentlicher ökonomischer und sozialer Prozesse, die zu einer neuen Qualität sozialistischen Wirtschaftens hätten führen können, erkannt, aber deren Inhalte, wechselseitige Verflechtungen und komplexen Folgerungen für die gesellschaftliche Entwicklung nicht mit aller Konsequenz bis zur Ende durchdacht haben.

 

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Durak, Günter; Wachowitz, Heinz

Über den genossenschaftlichen Weg der Bauern zu einer modernen Landwirtschaft

Es wird begründet, warum es an der PHS einen besonderen Lehrstuhl zur Agrarpolitik und Agrarökonomie gab. Der in Westdeutschland beschrittene Weg über den „Familienbetrieb“ und der genossenschaftliche Weg zu einer modernen Landwirtschaft werden einander gegenübergestellt, ihre Vorzüge und Nachteile werden abgewogen. Es wird auch darauf verwiesen, dass der Weg über den Familienbetrieb die Probleme der Anpassung der Landwirtschaft an die Erfordernisse der Gegenwart nicht endgültig zu lösen imstande ist. 

 

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Preußer, Bernd

unter Mitarbeit von  Harry Milke, Eckhard Loth und Frank Szrama

Zur Arbeit des Lehrstuhls Lehre von der marxistisch-leninistischen Partei, dem Parteileben und dem Parteiaufbau

Der Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Fachgebietes an der Parteihochschule, besonders seit der Neuformierung des Lehrstuhles 1976. Dargestellt werden Probleme der Bestimmung der Spezifik dieses Lehrfaches sowie einige wesentliche Inhalte der Lehr- und Forschungstätigkeit, näher erläutert wird die Arbeit von Forschungsgruppen im Lehrstuhl.

Aus dem Spannungsverhältnis von Orientierung auf die Erfüllung der Beschlüsse der SED einerseits und sich aus der Forschungsarbeit ergebenden Fragestellungen andererseits ergaben sich Konfliktsituationen für die Lehrer, die insbesondere anhand der „führenden Rolle der Partei“ und dem „demokratischen Zentralismus“ erörtert werden.

 

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Norden, Johnny unter Mitarbeit von Rainer Brandau

Zur Arbeit des Thälmann – Instituts (Institut für Ausländerstudium) der Parteihochschule der SED

Am Institut für Ausländerstudium haben zwischen 1963 und 1990 über 2000 Frauen und Männer aus 67 Ländern studiert. Sie waren von kommunistischen Parteien und später immer stärker auch von anderen linken Parteien und revolutionären Organisationen an die Parteihochschule delegiert worden. Diese Studenten erhielten eine gründliche Ausbildung in politischer Ökonomie, historischem und dialektischen Materialismus, in Geschichte und Revolutionstheorie. Fester Bestandteil der Ausbildung war ein systematisches Bekannt machen mit der DDR als Gegenentwurf zum kapitalistischen System. Die ausländischen Studenten lernten eine Gesellschaft kennen, in der nicht Profitgier und Egoismus das Klima bestimmten, in der – trotz aller Probleme – ein hohes Maß von sozialer Gleichheit und zwischenmenschlicher Solidarität erreicht war.

 

Preußer, Bernd

Parteihochschule im Umbruch

Es wird dargestellt, wie sich die widersprüchliche und komplizierte Situation im Herbst 1989 an der Parteihochschule widerspiegelte. Anhand persönlicher Aufzeichnungen werden Ereignisse aus dem Zeitraum von Oktober bis Dezember 1989 in Erinnerung gerufen. Im Jahre 1990 war die Arbeit auf die ordentliche Weiterführung der Lehraufgaben konzentriert, gleichzeitig wurden Forschungsarbeiten zur Analyse der sich rasch verändernden Situation geleistet. Daneben gab es mehrere parallel arbeitende Gruppen, die unterschiedliche Pläne für Vorhaben entwickelten, in denen Mitarbeiter der Parteihochschule nach deren absehbaren Ende eine Perspektive finden konnte. Die Parteihochschule beendete ihre Tätigkeit schließlich on organisierter Weise am 30. Juni 1990.

 

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Wachowitz, Heinz; Dippe, Achim; Durak, Günter

Worin wir die Ursachen unseres Scheiterns sehen

Die Verfasser versuchen nicht, „endgültige Wahrheiten“ zu entdecken, aber sie packen ein äußerst kompliziertes und komplexes Thema an, dessen Bewältigung für zukünftige Kämpfe von eminenter Bedeutung ist. Sie gehen von einem marxistischen Standpunkt aus, bewegen sich undogmatisch und schreiben verständlich.

Sie lassen unentschieden, ob unser gescheiterter Sozialismusversuch in Europa später einmal aus historischer Sicht als „Frühsozialismus“ bewertet werden könnte und ob er letzten Endes doch vielleicht aus der Unentwickeltheit der Bedingungen heraus scheitern musste. Wenn der Sieg im Wettkampf der Systeme jedoch überhaupt möglich gewesen wäre, dann haben ihn nach Meinung der Verfasser vorwiegend eigene Fehler verhindert: Das ganze ökonomische und das politische System (Staat, vor allem Partei) hätte spätestens nach Stalins Tod gründlich geändert werden müssen.

In diesem Zusammenhang werden relativ neue Gedanken über ein anderes mögliches, ebenso wie die „Planwirtschaft“ sowjetischer Prägung aus dem Staatskapitalismus hervorgehendes ökonomisches System geäußert, das wahrscheinlich bei künftigen Bemühungen zurückgebliebener Länder, den ökonomischen Stand der entwickeltesten kapitalistischen Länder einzuholen und schließlich selbst die Weltspitze zu bestimmen, mehr Aussicht auf Erfolg haben könnte. Erst von der Spitzenposition aus kann ihrer Ansicht nach heutzutage der eigentliche Aufbau der sozialistisch/kommunistischen Gesellschaft beginnen.  


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